Gebühren studie 2007

 
 

Spezialfondsgebühren in Deutschland 2007


Im Frühjahr 2007 hat die Georg Seil Consulting GSC GmbH zum 5. Mal eine umfassende Umfrage unter Assetmanagern zum Thema "Spezialfondsgebühren in Deutschland" durchgeführt, die eine Fortschreibung unserer letzten Umfrage aus 2006 darstellt.

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der teilnehmenden Institute geringfügig auf 41 verringert (2006: 45). Dennoch ist die Repräsentativität unserer Studie gestiegen, da der Anteil des erfassten Investitionsvolumens zugenommen hat. Die teilnehmenden Assetmanager repräsentieren ein Fondsvolumen "under Management" in Höhe von € 1.137 Mrd. Dies sind 82% (2006: 77%) des gesamten deutschen Marktes für Assetmanagement-Produkte, gemessen an der Statistik des BVI vom 31.12.2006.

Von den etwa 16 am deutschen Markt aktiven Master-KAGen haben 9 an der Umfrage teilgenommen (2006: 11). Diese repräsentieren einen Anteil am Volumen von ca. 76% (2006: 81%) aller aktiven Master-KAGen, womit auch hier eine sehr hohe Repräsentativität der Umfrage gegeben ist.

Gefragt wurde, welche Preise Assetmanager für ihre Leistungen fordern. Das effektive Gebührenniveau für Spezialfonds ist sicherlich um einige Basispunkte niedriger als das von uns dokumentierte. Die gesamten Kosten für ein Spezialfondsmandat sind für den Anleger deutlich höher, da zusätzlich zu den von uns erfassten Management- und Administrationskosten auch noch Transaktionskosten, Depotführungs- und Depotbankgebühren, Veröffentlichungskosten und Prüfungsgebühren anfallen. Außerdem treten bei aktiv gemanagten Mandaten mit marktengen Titeln Market Impact-Kosten auf, da Kurse beim Kauf nach oben oder beim Verkauf nach unten getrieben werden.

Es haben sich folgende wesentlichen Ergebnisse ergeben:

1. Die geforderten Gebühren für aktives Management in den traditionellen Assetklassen Aktien, Renten und Unternehmensanleihen sind per saldo leicht gestiegen oder konstant geblieben. Insbesondere deutsche Assetmanager fordern höhere Preise im Vergleich zum Vorjahr (bis zu 10 % bei Aktienmandaten), und nähern sich damit tendenziell dem höheren internationalen Niveau.

2. Die geforderten Gebühren von internationalen, insbesondere angelsächsischen Assetmanagern für aktive Mandate sind i.A. deutlich höher als jene deutscher Anbieter. Beispielsweise wird für ein europäisches Aktienmandat im Umfang von 50 Mio. €  von deutschen Anbietern im Mittel eine Verwaltungsvergütung von 35 Basispunkte p.a. gefordert, während angelsächsische Assetmanager 55 Basispunkte p.a. verlangen. Gebührenforderungen für ein 50 Mio. € - Rentenmandat belaufen sich bei deutschen Anbietern auf knapp 20 Basispunkte p.a. während angelsächsische Manager gut 10 Basispunkte mehr in Rechnung stellen. Da derartige Gebührenunterschiede seit jeher gelten, ist davon auszugehen, dass deutsche institutionelle Investoren auch de facto deutlich höhere Preise an angelsächsische Manager für ihre Leistungen zahlen. Offensichtlich besteht unter den Anlegern eine Kompetenzvermutung für internationale Häuser.

3. Die Markttransparenz bei aktiven Mandaten steigt. Dies zeigt sich in einer im Trend sinkenden Streubreite der Gebührenforderungen von Assetmanagern. Obwohl die traditionell wenig durchsichtige institutionelle Gebührenlandschaft in Deutschland offensichtlich transparenter und somit professioneller wird, ist man noch weit von internationalen Standards entfernt: Angelsächsische Anbieter quotieren mit einer Streubreite, die ein Drittel bis halb so hoch ist wie jene deutscher Anbieter.

4. Die geforderten Gebühren für passive Mandate erlitten in 2006 einen drastischen Einbruch in der Größenordnung von 60 – 80 % auf ein Niveau um 10 bps p.a.. Grund ist die massive Preiskonkurrenz von Exchange Traded Funds.

5. Die geforderten Gebühren für Hedge Fonds sinken tendenziell. Offensichtlich hinterlassen Platzierungsprobleme bei Institutionellen Investoren ihre Bremsspuren.

6. Die Gebührenforderungen für Pivate Equity Investitionen in Fund of Funds liegen für die Teilsegmente Primary-, Secondary- und Mezzanine- Investments sehr eng beinander und belaufen sich auf ca. 1% p.a.

7. Die geforderten Gebühren für Masterfonds nehmen ab und liegen aktuell bei rund 7 Basispunkten p.a. für ein Mandat mit 250 Mio. €, das aus 5 Segmenten besteht. Die Wettbewerbsintensität in diesem „Commodity“– Segment steigt, da zum einen der Markt für Masterfonds inzwischen zur Hälfte unter den agierenden Master-KAGen verteilt ist und zum anderen spätberufene Anbieter in den Markt drängen, wie zuletzt in 2006 die Deutsche Bank.

8. Mit Inkrafttreten des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes in 2002 wurde es  möglich, die Wertschöpfungskette im Assetmanagement aufzubrechen und die administrativen Leistungen der Fondsauflage, Fondsbuchhaltung, Fondcontrolling und des Fondsreporting von der Leistung des reinen Portfoliomanagements abzutrennen und in einer Master-KAG zu bündeln. Doch nur sehr wenig Assetmanager verlangen geringere Verwaltungsgebühren für den Fall, dass sie nur das reine Portfoliomanagement betreiben. Vielmehr sagen die meisten Vermögensverwalter explizit, dass sie grundsätzlich eine einheitliche Verwaltungsgebühr verlangen, egal ob die Fondsadministration von ihnen geleistet wird oder nicht. Offensichtlich fordern die meisten institutionellen Anleger in diesem Fall ein keine Gebührenreduktion ein und sind vielmehr bereit, für die Fondsadministration  doppelt zu zahlen – beim Portfoliomanager und bei der Master-KAG.